Electrowetting: Strom mit Schuhen erzeugen

Natürlich ist die Überschrift absichtlich etwas humoristisch überzogen. Denn tatsächlich verbirgt sich hinter Electrowetting (auf Deutsch als Elektrobenetzung oder Elektrokapillarität) ein ernsthafter wissenschaftlicher Ansatz zur Stromerzeugung. Wie die Wissenschaftler Tom Krupenkin und J. Ashley Taylor jüngst auf dem US-Wissenschaftsmagazin Nature unter dem Titel “Reverse electrowetting as a new approach to high-power energy harvesting” veröffentlichten, wollen sie mit Hilfe von Elektroden-Pads in Schuhsohlen Energie gewinnen.


Bildquelle: Instepnanopower

Auf der Internetseite ihres Unternehmens InstepNanopower geben die Wissenschaftler zusätzlich in etwas weniger wissenschaftlicher und damit allgemein verständlicherer Sprache Auskunft zu ihrer Technik.
So sollen Studien zeigen, dass beim normalen Gehen bis zu 20 Watt an Energie pro Fuß in Form von Hitze verloren gehen. Obwohl es sich um einen vergleichsweise geringen Anteil der 300 Watt handelt, die der Körper insgesamt beim Gehen an Energie erzeugt, würde sich damit bereits ein Handy oder ein energieeffizienter Computer betreiben lassen. Als weitere Beispiele werden Radios, GPS-Einheiten, Infrarot-Nachtsichtgeräte und Taschenlampen genannt.

Ein zweiter Weg der Energienutzung, für den kein direkter Energieanschluss notwendig wäre, ist der Einbau eines WIFI-Verstärkers in den Schuh. Hierdurch müsste das Smartphone nicht mehr auf lange Entfernungen senden, sondern nur auf kurzer Distanz. Dies würde die Batterielaufzeit des Handys extrem verlängern, weil die Kommunikation auf lange Distanz wohl im Gegensatz zu sämtlichen anderen Anwendungen die meiste Energie benötigt.


Diese Grafik aus dem erwähnten nature-Artikel zeigt die Anordnung der Pads in der Schuhsohle.
Abbildung: nature.com, Lizenz: CC BY-NC-ND 3.0

Als Grund warum diese im Prinzip seit Jahrzehnten bekannte Methode zur Energiegewinnung bislang nicht kommerziell ausgewertet worden ist, nennen die Instepnanopower-Verantwortlichen die kürzliche Weiterentwicklung von Bauteilen zur Energiegewinnung und Energiespeicherung. Erst mit heuten Mitteln lässt sich die Erfindung so umsetzen, dass dabei der Träger des Schuhs keinerlei Einbußen im Tragekomfort hinnehmen muss.

Die Schuh-Kraftwerke gehen gerade durch alle Medien egal ob BBC, CNN oder der Spiegel.

Wir dürfen gespannt sein. Doch alleine drei Fakten lassen es wahrscheinlich werden, dass wir schon bald wieder von dieser Erfindung hören und sie in ein paar Jahren vielleicht schon fester Bestandteil unseres Alltags sein könnte:

  1. Jeder von uns trägt heute mit einem Smartphone mindestens ein energiekonsumierendes Gerät ständig am Körper. In den Industrieländern ist das Aufladen lästig, in weniger entwickelten Regionen wie Afrika und Asien ohne flächendeckende Energieversorgung nur mit Umständen möglich und teuer.
  2. Diese alternative Energieform wäre zweifellos nachhaltig und umweltschonend
  3. Der Entwickler erwartet keine nennenswerten Preissteigerungen bei den Energieschuhen. Und so sehr wir alle das Projekt auch ideel gutheißen, wird die Entscheidung über seine Umsetzungsfähigkeit am Ende durch den Preis fallen.

 

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