Geschichte des Schuhs: Das Mittelalter
Die Geschichte des Schuhs, Teil 3: Das Mittelalter (800-1500 n. Chr.)
Wendeschuhe
Im nördlichen und mittleren Europa des Mittelalters wurden in städtischen Siedlungen hauptsächlich Lederschuhe nach wendegenähter Machart getragen. Das bedeutet die Schuhe wurden zunächst auf links genäht und anschließend gewendet. Solche Wendeschuhe zeigten zunehmende modische Einflüsse. Besonders ab dem 12. Jahrhundert gibt es immer mehr unterschiedliche Schafthöhen und Schnitte. Auch die Verschlussarten werden vielfältiger: Es gab es Schnür-, Knöpf-, Schlupf- und Riemenschuhe. Besonders kegelförmig zulaufende Schuhe mit spitzer Ferse waren sehr verbreitet. Im 13. Jahrhundert dominierten eher runde Formen. Erst im 14. Und 15. Jahrhundert fand man den stereotypen Mittelalterschuh mit extravaganten Spitzen.
Schnabelschuhe
Nach den Kreuzzügen (Jahreszahl) waren bei der Oberschicht Schuh im orientalischen Stil in Mode: Diese sogenannte Schnabelschuhe waren spitz zulaufend und vorne nach oben gebogen. Die Länge der Spitze weiß den Träger des Schuhes als einem bestimmten Stand zugehörig aus. In der Kleiderordnung, besonders des 14. Jahrhunderts, war die Länge der Spitze daher streng festgelegt: Die Schuhspitze eines Bürgers war 15 cm lang, Ehrenmänner durften doppelt so lange Schuhspitzen haben und Adlige brachten es auf stolze 60 cm Schuhspitzenlänge. Um besser vor Kälte geschützt zu sein, schnallte man sich zusätzlich hölzerne Unterschuhe namens Trippen unter die Schnabelschuhe.
Arbeitsschuhe
Neben diesen Mode-Schuhen hab es auch Schuhe, die man vermutlich bei der Arbeit trug. Diese Schuhe waren breiter und kamen im 16. Jahrhundert in Mode. Mit ihrer Kurzen, meist runden Spitze bildeten sie einen klaren Kontrast zu den spitzen Schuhen des 14 Jahrhunderts.
Die Schuhe der Armen
Wie die ärmere Bevölkerung ihre Füße kleidete ist weitgehend ungewiss. Vermutlich liefen die Menschen entweder barfuß, in Holzschuhen oder primitiven Bundschuhen, die nur aus einem harten Stück Leder bestanden, das man um den Fuß wickelte und an der Spitze zusammenband. Von 1493 an galt der Bundschuh als Zeichen der Unterdrückung und Armut und war auf den Fahnen der aufständischen Bauern der Bundschuh-Bewegung abgebildet.
Fundstücke
Holzschuhe und Trippen wurden von Archäologen nur sehr selten gefunden. Lederschuhe hingegen wurden an manchen Fundorten so gut konserviert, dass man über 500 Schuhe gut erhaltene Schuhe (an einem Fundort in Schleswig-Holstein) entdeckt wurden. Deswegen weiß man heute, dass im 11. und 12. Jahrhundert hauptsächlich Ziegen- und Schafleder, im 11., 13. und 14. Jahrhundert vor allem Rindsleder verwendet wurde.
> Zurück zum Inhaltsverzeichnis Geschichte des Schuhs
Basiert auf eigener Recherche und Informationen aus Wikipedia.de.
Möchten Sie mehr über die Geschichte der Schuhe erfahren?
Hier einige Literaturtipps:
Der verführerische Schuh : Modetrends aus vier Jahrhunderten / Jonathan Walford, Heidelberg 2007.
Die mittelalterlichen Schuhe aus Schleswig : Ausgrabungen Schild 1971 – 1975 / von Christiane Schnack, Neumünster 1992.
Schuhe : vom späten Mittelalter bis zur Gegenwart / hrsg. vom Bayerischen Nationalmuseum München. Saskia Durian-Ress, München 1991
Paul Weber: Schuhe. Drei Jahrtausende in Bildern. Aarau: At Verlag, 1994
Anzeige

